Tele-Tandem
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Heidemarie Sarter
« Fremdsprachen und Internet »
(Computer und Internet in der fremdsprachlich-interkulturellen Arbeit in der Grundschule)
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6. Aufgabe und Rolle der Lehrkraft

Eine wesentliche Aufgabe der Lehrkraft besteht in der Vorbereitung des Austauschs mit der Partnerlehrkraft. Modalitäten und Umsetzung der Tandem-Arbeit sind zu klären, Themenbereiche im Vorfeld abzusprechen, um sie den beteiligten Klassen vorzuschlagen, es ist die Frage zu klären, ob und inwieweit jeweils auf die vom Partner erhaltenen Texte eingegangen werden soll etc. Ein kontinuierlicher Austausch zwischen den Lehrkräften über Fortgang der Arbeit, über Probleme und Schwierigkeiten wäre ebenfalls vorzusehen. Sie müssen mit den unterschiedlichen Möglichkeiten der Textverarbeitung, des Spielens mit dem äußeren Erscheinungsbild von Schrift, vertraut sein, bereits im Vorfeld die Handhabung des Computers durch die Erstellung entsprechender Vorlagen, von sog. dot-Dateien, entlasten. 13) Für anfallende Internet-Recherchen wären nicht nur einschlägige Adressen ausfindig zu machen, sondern die dort gefundenen Informationen für das Unterrichtsgespräch mit den Schülern darüber auch didaktisch auszuwerten.

Computer allein sorgen noch nicht für eine Verbesserung des Unterrichts - weder des Lehrens noch des Lernens. Entscheidend ist, wie bereits ausgeführt, die didaktische Kompetenz der Lehrkraft. Aber auch ihre Persönlichkeit ist in zunehmendem Maße gefordert. Denn: "Die persönliche Beziehung zwischen Lehrperson und Kindern wird gerade im Zusammenhang mit den erweiterten Lehr- und Lernformen eine neue Qualität erreichen. Die Lehrperson wird noch stärker vom reinen Informationsvermittler zum eigentlichen Lernpartner." (Hänggi 1999, 17) Hänggi (ebda.) weist auch darauf hin, dass Arbeitspläne immer mehr zu wichtigen Bestandteilen des Unterrichts werden. Die Tatsache, dass Schülerinnen und Schüler sich mit ihren Ideen und Vorschlägen in wesentlich stärkerem Maße als dies bislang der Fall ist, in einen derart konzipierten Unterricht einbringen, erfordert eine Erweiterung der Lehrerrolle, auch und gerade im direkten Umgang mit den Kindern. Fähigkeiten, wie "beraten und motivieren, Hilfe zur Selbsthilfe geben und strukturieren" (ebda.) werden in diesem Zusammenhang verstärkt notwendig sein; dazu gehört aber auch, Geduld zu entwickeln, zuzuhören, abzuwarten und zu beobachten, um an gegebener Stelle entsprechend eingreifen zu können.
14) Das Motto "Verschiedene Ziele können auf verschiedenen Wegen erreicht werden" (ebda.), die Einsicht, dass nicht nur das Ziel, sondern auch - und vielleicht gerade - der Lernprozess wichtig ist, bedeutet für eine ganze Reihe von Lehrkräften immer noch eine Umorientierung ihrer bisherigen Sicht, für viele auch eine Verunsicherung. (Auch hierzu braucht es entsprechende Angebote in der Aus- und Weiterbildung.)

All dies mag manche Lehrkraft, insbesondere wenn sie selbst noch wenig Erfahrung im Umgang mit Textverarbeitung und Internet hat, zögern lassen, sich auf derartige Neuerungen einzulassen. Hierzu mag auch in einigen Fällen Hemmungen, Angst vor einem (vermeintlichen) Autoritätsverlust kommen, wenn die Kinder sicherer im Umgang mit diesem neuen Medium scheinen als man selbst. Da jedoch der Stellenwert des Mediums Computer sich in der Zukunft noch verstärken wird, wird es über kurz oder lang nicht möglich sein, sich dieser Entwicklung zu verschließen. Die Öffnung gegenüber der technischen Entwicklung erfordert jedoch pädagogische und didaktische Positionen, die den Computer als Medium, zur Vermittlung (anderer) Kenntnisse und Fähigkeiten zu nutzen in der Lage sind und den Gewinn, der durch seinen Einsatz ermöglicht wird, am je angestrebten Ziel messen.

 
 

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