Tele-Tandem
Mise en pratique dans les classes partenaires / Umsetzung in den Partnerklassen

Katja Eisenächer
"Tele-Tandem"- Auswertungstagung
Stuttgart, 10.-12. September 2004
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Inhaltsverzeichnis


 
 
1.6 Iffezheim / Bischwiller
(Marlis Camboni
54) und Bruno Strentz)

Bruno hat innerhalb seiner Schule eine Doppelfunktion. Zum einen ist er Lehrer, zum anderen verantwortlich für die Organisation des Austausches im Unterrhein 55). Auf einem der monatlich stattfindenden Treffen auf Ebene der académie 56) erfuhr er im Juni 2003 vom "Tele-Tandem"-Projekt des DFJW und schrieb sich zusammen mit seiner dt. Kollegin ein, mit der er i.d.R. Schüleraustausch durchführt. "Tele-Tandem" war für ihn "eine Erfahrung, die er auf keinen Fall verpassen wollte". Bis dahin wusste er nur wenig über die Tandemmethode und "Tele-Tandem", was sich durch die Teilnahme an den Fortbildungsseminaren des DFJW schnell änderte.

Im Zentrum der Partnerschaft zwischen seiner CE2 und einer 3. Klasse (je rund 30 Schüler) stand das Leben auf der jeweils anderen Seite des Rheins und das Kennenlernen der Partner. Dabei sollte den Schülern bewusst gemacht werden, "dass die "andere Seite" nicht nur der Ort ist, an dem z.B. die eigenen Eltern ihrer Arbeit nachgehen, sondern dass es dort auch eine andere Kultur zu entdecken und Kinder im selben Alter gibt". Die Themen hierzu (siehe 3.2) hatte das Lehrer-Tandem gemeinsam festgelegt. Es gab je eine physische Begegnung in Bischwiller und in Iffezheim. Im April 2004 lernten sich die Schüler per 1:1 Tandemarbeit (unterstützt durch vorher ausgearbeitete Arbeitsblätter) kennen und bastelten dann gemeinsam eine Osterkarte. Im Juni beschäftigten sich die Partner mit dt. und frz. Wohnräumen und setzten diese kreativ um (Vierergruppen). Bruno beobachtete, dass seine Schüler nach dem ersten Treffen mehr von ihren Partnern sprachen als im Laufe vergangener Sprachbegegnungen. Es wäre allerdings von Vorteil gewesen, so Bruno, wenn die zwei großen gemischten Arbeitsgruppen bei den Treffen vor Ort je durch ein Lehrer-Tandem hätten angeleitet werden können.

Obwohl die Partnerschaft zwischen den beteiligten Schulen bereits seit Langem
57) besteht, gestaltete sich die Kommunikation seit einem Schulleiterwechsel auf frz. Seite schwierig. Zwar hatte Brunos neue Schulleiterin dem Projekt zugestimmt, konnte ihn aber durch ihre neuen Aufgaben nicht unterstützen und das Projekt auf dt. Seite, d.h. gegenüber der dt. Schulleitung, nicht repräsentieren. Dies und technische Schwierigkeiten 58) verhinderten im Schuljahr 2003/04 synchrone "Tele-Tandem"-Sitzungen, was auch dazu führte, dass die Schüler bei der ersten Begegnung recht scheu waren sowie aufgrund fehlender Erfahrung stets an das Prinzip und den Zweck der Tandemarbeit erinnert werden mussten. Das Vertrautmachen mit den technischen Fertigkeiten für einen zukünftigen Internetkontakt erwies sich dennoch als nützlich, denn Brunos Schülern wurde so das Ziel des Projekts klar:

"Wir wollen nicht einfach mit dem PC arbeiten 59), sondern kommunizieren, den anderen etwas von uns erzählen. Und dafür brauchen wir den Computer." (Zitat Bruno Strentz)

Bruno merkte aber auch, dass guter Wille allein nicht reicht und sich die Motivation der Schüler 60) auch auf die Lehrerkollegen übertragen muss. Er hätte z.B. in den Ferien gern weiter an dem Projekt gearbeitet und Tests durchgeführt, was die Schulbehörde allerdings nicht befürwortete. Und auch von den eigenen Kollegen war er im Vorfeld gefragt worden, warum er sich die zusätzliche Arbeit, d.h. das "Tele-Tandem"-Projekt, auflade. Er räumte auch ein, dass er eventuell stärker Mailkontakt in die Projektarbeit hätte einbeziehen sollen, was sich aber mit rund 30 sehr jungen Schülern im Informatikraum nicht als einfach erwiesen hätte. Die physischen Begegnungen waren dennoch von konkreten Aufgaben geprägt, denn Material und Informationen wurden auf dem Postweg ausgetauscht. Die Schüler waren sich der Tatsache an etwas ganz Neuem teilzunehmen bewusst und entsprechend motiviert. 61) Sie sprachen häufig von ihren dt. Partnern und erlangten das Bewusstsein, "dass auch andere Sprachen wichtig sind".

Bruno betonte, dass die Tandem-Fortbildungen des DFJW seine gesamte Unterrichtspraxis völlig verändert haben ("ça m’a ouvert les yeux"). Es vergehe kein Tag, an dem er nicht ein Spiel in den Unterricht integriere.
62) Er lernte zudem, physische Begegnungen gezielt für den Fremdsprachenunterricht zu nutzen. Durch das "Tele-Tandem"-Projekt, so Bruno, wird man sich der eigenen Sprache neu bewusst und arbeitet parallel an der Weiterentwicklung von Kenntnissen zu Mutter- und Fremdsprache.

Nach einem Jahr "Tele-Tandem"-Arbeit wollen die "Inspecteurs d’allemand" im Elsass nun Internet-Partner für alle Deutsch-Lerner in der Region. Die Projektarbeit könnte also theoretisch weitergehen. Wichtig ist laut Bruno für die Weiterführung des Projekts zwischen Bischwiller und Iffezheim sowie für die Kooperation zwischen zukünftigen "Tele-Tandem"-Teilnehmern eine gute Aus- und Weiterbildung, technisches Material sowie die Unterstützung durch die gesamte Schule und ein optimales Verständnis des Lehrer-Tandems. Er wünscht sich, die Arbeitsweise seiner Schule verändern zu können, wofür aber zunächst die Kooperation zwischen den Kollegen (mononational / binational, z.B. durch Austausch von Lehrmaterial, Liedern, etc.) verbessert werden muss.

 
 

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